„Man lernt sich selbst besser kennen.“

Timothy Heinz (45) wohnt in Dietikon. Wir haben den Head Of Digital bei Universal Music zum Laufgespräch getroffen

Du findest Timothy unter folgenden Links: RunningcoachStrava, Instagram, Facebook

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Wie bist du Läufer geworden?

Ich habe in meiner Jugend in Bern Fussball und Eishockey gespielt und dann aus beruflichen Gründen leider damit aufgehört. 20 Jahre habe ich kaum Sport gemacht bis ich irgendwann chronische Rückenschmerzen hatte. Mein Arzt (ein Sportmediziner und selber Halbmarathonläufer) sagte zu mir: „Herr. Heinz, sie können jede Woche zu mir kommen und ich löse die Spannungen aber das löst das Problem nicht. Sie müssen sich mehr bewegen, machen Sie mehr Sport!“ Auf meine Ausreden von wegen keine Zeit und so meinte er: „das Stadion des Freizeitsportlers beginnt direkt vor der Haustüre. Schnüren sie die Turnschuhe und laufen Sie los. Und als zusätzliche Motivation melden Sie sich an einer Laufveranstaltung an, z.B. den Silvesterlauf oder den Grand Prix von Bern, das motiviert“ Das sass und dagegen hatte ich auch nichts mehr einzuwenden. Gesagt, getan, meldete ich mich zum Silvesterlauf 2010 in der Kategorie Fit For Fun über 4,4km an. Ich bin zwar fast gestorben im Ziel aber es sollte nicht mein letzter Wettkampf sein. 6 Jahre später bin ich inzwischen 78 Wettkämpfe gelaufen, darunter 7 Marathons und 24 Halbmarathons.

Was magst du am Laufen?

Der Laufsport ist ideal denn er dient sowohl zum Stressabbau nach einem langen Arbeitstag wie auch als Quelle von Endorphin und Glücksgefühlen je nach dem wie man gerade drauf ist. Und: es gibt keine Sportart wo sich Profis und Amateure gleichzeitig am gleichen Ort auf der gleichen Strecke messen können. Man muss im Leben realistisch bleiben: ich werde wohl nie im Wembley Stadium vor 90’000 Zuschauern zum Champions League Finale einlaufen oder am US Open im Arthur Ashe Stadion gegen Federer spielen oder den GP von Monaco fahren aber ich kann am New York Marathon mit über 50’000 anderen Läufer/innen am Start stehen. Ein unbeschreibliches Gefühl! Bei einem Marathon trennt sich aber auch die Spreu vom Weizen denn wer in den vorangegangenen 3-4 Monaten nicht seriös trainiert hat, wird spätestens bei Kilometer 30-35 in die berühmte Wand laufen.  Der Laufsport ist brutal ehrlich, da ist kein Platz für Möchtegerns und Selbstdarsteller und das gefällt mir.

Wie läufst du normalerweise (Dauer, Tempo)?

Ich trainiere 3-4 pro Woche, je nach dem was gerade das Ziel ist. Mein Trainingsplan stellt Runningcoach.ch zusammen, ein Online Trainingsplan der individuell auf mich abgestimmt ist. Im Normalfall ist das ein Long Jog am Sonntag (15-30km), 2 Dauerläufe (10-15km) und ein Intervall- oder Mitteltempotraining (15-20km) – so komme ich auf einen Schnitt von 50-70km pro Woche. Die Pace ist unterschiedlich von 4:30 (Intervall) bis 5:30 (Long Jog)

Hast du eine Lieblingsrunde?

Da gibt es viele: meine häufigste Laufstrecke ist entlang der Limmat von Dietikon nach Zürich oder in die andere Richtung nach Wettingen. Auch ein guter Tipp ist mit dem Auto oder Zug nach Horgen zur Anlegestelle der Fähre. Mit der Fähre rüber nach Meilen und dann um den Zürichsee zurück nach Horgen laufen. Oben rum über Zürich Bellevue sind es rund 29km, unten rum über Rapperswil sind es 35km. Ideale Strecken als Vorbereitung auf einen Marathon und unterwegs entdeckt man die wunderschöne Natur, zum Beispiel unter dem Damm zwischen Rapperswil und Pfäffikon, den kennen die meisten nur aus dem Auto, dabei bieten diese knapp 2km eine wunderschöne Landschaft, Tierwelt und Aussicht auf den Zürichsee.

Läufst du alleine oder mit Freunden? Läuft dein Partner mit dir?

Ich laufe meistens alleine weil man so am flexibelsten ist aber in einer Gruppe oder mit Laufpartner macht es natürlich auch sehr viel Spass. Beides hat Vor- und Nachteile. Hauptsache mit Spass und Freude.

Bist du Mitglied einer Laufvereinigung/Laufgruppe?

Ich trainiere mit RunningCoach.ch, da haben sich auch schon Freundschaften entwickelt. Und die Strava-App, ein soziales Netzwerk von Läufern und Radfahrer kann ich auch sehr empfehlen.

Hast du Vorbilder im Laufen?

Jede ausserordentliche Leistung eines Sportlers ist immer auch ein Motivationsschub für eigene Ziele und ein Vorbild, sei dies nun Daniela Ryf mit ihren Ironman-Gewinnen, Nicola Spirig an den Olympischen Spielen in London und Rio oder Viktor Röthlin mit dem Europameistertitel in Barcelona 2010 und dem sensationellen 6. Rang an Olympia in Peking als bester weisser Läufer.

Misst du deine Läufe/Distanzen/Zeiten mit einer App oder GPS-Uhr?

Ich laufe mit einer Garmin Forerunner 630 und bin davon begeistert. Ich laufe aber nicht stur nach vorgegebener Pace oder Herzfrequenzbereich, sie dient mir mehr als Orientierung, denn ein gutes Laufgefühl im Wettkampf kann oft täuschen da so viele Faktoren mitspielen: Tagesform, Adrenalin, Laufstrecke, Wetter, Wind, etc. und wenn man zu schnell anläuft, dann kommt es meistens nicht gut. Die GPS-Uhr gibt mir diese Sicherheit. Hinzu kommen die Auswertungsmöglichkeiten. Auf Garmin Connect kann ich z.b. die beiden letztjährigen Greifenseeläufe miteinander vergleichen und sehe dann wo ich einen Einbruch hatte, wo ich mich verbessern könnte, und, und, und… ein ganz cooles Tool sind die Segmente auf Strava. Ich habe meine Garmin mit Strava verbunden und bei Strava wird jeder Lauf in Segmente aufgeteilt. In meinen vielen Trainingsläufen laufe ich bestimmte Segmente x-fach und diese werden dann in einer Uebersicht dargestellt. So sehe ich eine Entwicklung oder z.b. dass ich ein bestimmtes Segment vor 1 Jahr langsamer lief als heute. Gerade nach einer Trainingspause, Grippe oder ähnlichem ist das Laufgefühl noch nicht so ausgeprägt und dann helfen diese Tools.

Was ist deine Lieblings-Trainingseinheit?

Viktor Röthlin sagte mal: der Wettkampf ist die Belohnung fürs Training. Deshalb nenne ich jetzt das Intervalltraining weil es dem Wettkampf am nächsten kommt, aber nur die kurzen Intervalls mit vielen Wiederholungen, die machen Spass. Ein 4x 20min. ist sehr hart und nicht unbedingt meine Lieblingseinheit…

Was hat dir das Laufen gelehrt?

Dass es immer weiter geht. Auch wenn man denkt es geht nicht mehr, dann geht es eben immer noch. Man lernt sich selbst besser kennen. Man lernt auch Geduld, Bescheidenheit und Muse. Und man findet auch wunderschöne Orte die man ohne das Laufen wohl nie sehen würde.

Hörst du beim Laufen Musik? Und wenn ja, was?

Anfangs fast immer. Heute immer weniger. Die Natur ist die schönste Musik. Und ein Marathon oder Wettkampf sollte man nie mit Musik laufen denn unterwegs wird so viel Unterhaltung geboten. Kommt hinzu dass die Laufgemeinschaft eine grosse Familie ist und man immer mal wieder auf interessante Gesprächspartner trifft.

Welches sind deine Ziele im Laufen? Gibt es z.B. einen bestimmten Lauf, den du mal machen willst?

Anfangs waren es kleine Ziele im Training: 10, 15 oder 20km. Da hielt ich es noch für unmöglich eines Tages einen Marathon zu laufen. Nach meiner Premiere 2013 in Berlin hat mich das Fieber erst recht gepackt und ich habe mir dann irgendwann das Ziel gesetzt die 6 World Marathon Majors zu finishen. Was für einen Tennisspieler die Grand Slams sind, ist im Marathon die WMM-Serie (World Marathon Majors). 4 davon hab ich schon. Ende Februar 2017 laufe ich Tokyo und im April Boston, wenn alles gut geht schaff ich es also dieses Jahr schon. Etwas was zurzeit nur rund 1500 Leute weltweit geschafft haben. Für die Zeit danach ist auch schon gesorgt: der Jungfrau Marathon im Herbst von Interlaken auf die Kleine Scheidegg!

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