„Manchmal ist es wie fliegen.“

Martin Kühni (55) wohnt in Kirchlindach. Wir haben den Leiter Projekt Management Office zu einem Laufgespräch getroffen.

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Martin, wie bist du zum Laufen gekommen?

Es war quasi ein Unfall. Im Jugendalter war ich noch intensiv Radrennen gefahren (Eliteamateur mit internationalen Einsätzen). Hatte dann einen längeren Unterbruch, während dem ich auf die Karte Ausbildung setzte und erst danach bekam ich wieder Freude am Radtraining. Es war im 2009 als ich gleich zu Beginn unserer Spanienferien einen Stutz mit dem Rennrad hatte.  Velo und Kleider gingen kaputt und ich hatte überall Schürfwunden. Radfahrern während diesen Ferien war nicht mehr möglich.  Statt dessen bin ich Laufen gegangen. Meine Frau sagte damals: sprich nicht immer nur von Marathon sondern laufe einen. Sechs Wochen später konnte ich den Lausanne Marathon in einer unerwartet guten Zeit finishen. Damals hat mich die Freude am Laufen so richtig gepackt.

Was magst du am Laufen?

Ich liebe den Bewegungsablauf. Manchmal ist es wie fliegen. Draussen in der Natur zu sein ist ein guter Gegenpol zu meinem Bürojob. Und ich liebe es Rennen zu laufen.

Wie läufst du normalerweise (Dauer, Tempo)?

Eigentlich laufe ich mehr oder weniger täglich. Manchmal sogar mehrmals am Tag. Während der Vorbereitungszeit für einen Wettkampf folge ich einem Trainingsplan. Dauer und Tempo variieren je nach Trainingseinheit, von intensiven Intervalls bis zu gemütlichen Longjogs. Longjogs können auch mal 3 Stunden dauern.

Hast du eine Lieblingsrunde?

Ich habe mehrere Lieblingsrunden die ich nach Lust und Laune und nach Jahreszeit wähle. Ein heimlicher Favorit ist vielleicht die Stecke in Bern der Aare entlang. Wir hatten auf dieser Runde auch schon Biber entdeckt.

Läufst du alleine oder mit Freunden?

Beides. Die meisten Einheiten laufe ich alleine. Wenn es geht treffe ich mich auch sehr gerne mit Laufkollegen oder gehe wöchentlich ins Training mit dem ST Bern.

Bist du Mitglied einer Laufvereinigung/Laufgruppe?

Ich bin Mitglied im ST Bern und trainiere dort regelmässig mit einer super Laufgruppe. Es sind auch OL-Läufer und Triathleten dabei, was das Ganze enorm interessant macht.

Hast du Vorbilder im Laufen?

Da ich leistungsmässig laufe schaue schon gerne auf die grossen Stars. Dabei fasziniert mich Mo Farah mit seiner Leichtigkeit beim Laufen, Haile Gebrselassie mit seiner Einstellung zum Sport und Umfeld und natürlich ist auch Viktor Röthlin mit seiner Akribie wie er die Ziele verfolgt (hat) ein Vorbild.

Wie organisierst du dein Training? Wie passt das Training in deinen Tagesablauf?

Es ist natürlich ein Kunststück die Balance zwischen Arbeit, Familie und Training zu halten. Für meine Trainingsplanung ist dies sehr wichtig. Das bedeutet aber auch, dass man manchmal auf eine Trainingseinheit verzichten muss und die Priorität auf etwas anderes legt. Zum Glück geht die Form nicht wegen einem Trainingsausfall kaputt. Mein jetzigen Job lässt es zum Glück zu, dass ich meinen Tagesablauf weitgehend flexibel gestalten kann und alles recht gut unter einen Hut bringe.

Misst du deine Läufe/Distanzen/Zeiten mit einer App oder GPS-Uhr? Und wenn ja, mit welchem Programm?

Mich begleitet bei jeden Training meine Garmin 735. Ich schätze die technischen Features, die Zuverlässigkeit und der Tragkomfort. Ich brauche die Uhr zur Trainingssteuerung bei Intervalltrainings für das Tempo und die Intervallzeit und bei Longjogs verwende ich die Pulsanzeige damit ich nicht zu schnell laufe. Ich bin aber nicht Sklave der Uhr. Es gibt viel Einheiten wo ich genau zweimal auf sie schaue: beim Starten und beim Stoppen. Auswertungen über längere Zeitperioden mache ich mit Garmin Connect.

Was ist deine Lieblings-Trainingseinheit?

Eigentlich jede. Nach langen Dauerläufen freue ich mich darauf, es an einem Intervall wieder einmal so richtig krachen zu lassen und nach einer intensiven Periode ist es schön, einfach nur locker durch die Gegend zu laufen. Am härtesten sind die längeren Mitteltempoläufe. Es kommt etwa drei bis viermal pro Jahr vor, wo das Training mehr Pflicht als Freude ist.

Was hat dir das Laufen gelehrt?

Das Wichtigste habe ich aus den Verletzungsphasen gelernt. Tönt jetzt etwas schräg, aber vermutlich ist es nicht möglich zu laufen ohne sich irgendwann zu verletzen. Die Kunst des Loslassend –  Ziele wegstecken zu können, auch wenn diese noch so wichtig erschienen – sich wieder aufzubauen und gestärkt zurück zu kommen, ist ein sehr intensiver Prozess den man auch in anderen Lebenssituationen nutzen kann.

Hörst du beim Laufen Musik? Wenn ja, was hörst du?

Nie! ich würde nie zum Laufen Musik hören. Zu Hause bin ich aber ein ausgesprochener Musikfan.

Welches sind deine Ziele im Laufen? Gibt es z.B. einen bestimmten Lauf, den du mal machen möchtest oder eine Zeit die du erreichen willst?

Ziele im Laufen sind für mich zum heiklen Thema geworden. Ich liebe das Training, es fehlen mir im Moment aber die Ziele. Ich hatte das Glück, dass ich während meiner Laufkarriere sehr viel erreichen konnte. Wenn ich mich mit Gleichaltrigen vergleiche, bin ich immer noch ausgesprochen fit. Meinen Bestzeiten hinterherlaufen ist auf Grund meines Alters aber nicht mehr möglich. Ich konnte viel unvergesslich Rennen laufen, auch im Ausland. Wenn ich so wünschen könnte, ich würde noch einmal gerne den New York Marathon laufen. Just for fun. Ich habe eine sehr starke emotionale Verbindung zum New York Marathon.

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