„Beim Laufen kommt es auf mich an.“

Mirja Jenni (40) ist Primarlehrerin und kommt aus Oberwil b. Büren. Wir haben die dreifache Mutter, mehrfache Schweizermeisterin und Tochter der Spitzenläufer Marijke van de Graaf und Albrecht Moser zu einem Laufgespräch getroffen.

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Mirja, wie bist du Läufer geworden?

Meine Eltern waren beide Spitzenläufer und somit gehörte das Laufen sozusagen zum Alltag. Ich habe mich jedoch als Kind sehr polysportiv bewegt. Niemals drängten mich meine Eltern zum Laufsport. Im Gegenteil- meinem Vater wäre es glaube ich fast lieber gewesen, wenn ich Radfahrerin geworden wäre. Dies war nämlich seinerseits seine Wunschsportart, welche er aber nicht ausführen konnte weil das nötige Geld dazu fehlte.
Ab dem Alter von 12 Jahren betrieb ich dann ein regelmässiges Lauftraining im LSV Biel, wo wir eine tolle Jugendgruppe waren.
Was magst du am Laufen?
Ich mag grundsätzlich die Bewegung im Freien. Beim Laufen kann ich mich je nach Training körperlich fordern oder erholen. Erholung klingt jetzt in den Ohren von Laufanfängern oder NichtläuferInnen etwas absurd. Aber ich kann, wenn ich einfach so gemütlich durch die Gegend laufe,auch durchaus Gedanken fliessen lassen oder einfach geniessen. Momentan ist das Laufen für mich Ausgleich zum Alltag, als Bewegung, welche mir gut tut und zum „bödele“ oder tief runter atmen. Der Vorteil am Laufen ist der, dass ich, egal wo ich mich befinde, einfach loslaufen kann und immer wieder neue Gegenden kennenlerne.
Wie läufst du normalerweise? Wie lange läufst du? Und mit welchem Tempo?
Ich laufe seit zwei Jahren nur noch nach Lust und Laune und meistens in gemütlichem Tempo. Es kann vorkommen, dass ich während einem lockeren Dauerlauf plötzlich Lust habe, einen Hügel ein paar Male rauf zu rennen. Dann mache ich das! Doch meistens drehe ich einfach eine kurze (30-45 Minuten) oder längere Runde (60-120 Minuten)- je nach Zeit, welche mir zur Verfügung steht und eben- nach Lust. Das Tempo variiert so zwischen 4.20- 5.00/Km. Meistens überlege ich mir davor auch keine bestimmte Strecke sondern laufe mal los und entscheide spontan, welchen Weg ich einschlage.
Hast du eine Lieblingsrunde?
Ich habe keine spezielle Lieblingsrunde. Bei uns im Bucheggberg/Seeland ist jede Strecke wunderschön!
Läufst du alleine oder mit Freunden?
Ich laufe meistens alleine. Dies kommt daher, dass ich meine Laufzeit nicht genau planen kann. Ich passe meine Lauferei den Kindern (ich habe deren drei:) und je nach Tagesprogramm an. Und ich laufe nur, wenn mir danach ist. Ich trainiere aber sehr, sehr gerne in der TVL Laufgruppe, welche immer am Mittwoch Abend vom Neufeld aus unterwegs ist. Diese Gruppe kann ich allen Laufbegeisterten, egal welches Leistungsniveau, wärmstens empfehlen! Generell macht es mir nichts aus, alleine unterwegs zu sein. Ich laufe aber auch sehr gerne mit TrainingspartnerInnen. Laufen verbindet. Ich habe durch das Laufen einige sehr wertvolle Freundschaften gewonnen, welche mich auch neben dem Laufen immer durch`s Leben begleiten werden.
Bist du Mitglied einer Laufvereinigung/Laufgruppe?
Ich bin Mitglied des Turnverein Länggasse Bern.
Hast du Vorbilder im Laufen?
Mein Vorbild ist Kerryn McCann, eine australische Marathonläuferin, welche ich vor 12 Jahren während einer Australienreise kennenlernen durfte. Wir verbrachten 3 Wochen bei ihr und ihrer Familie. Obwohl Kerryn eine Weltklasseläuferin war, führte sie ein ganz normales Leben als Frau und Mutter und beeindruckte mich sehr durch ihre unkomplizierte Art und ihr grosses Herz. Leider verstarb Kerryn, Mutter von drei Kindern, vor 8 Jahren an Brustkrebs.
Wie organisierst du dein Training? Wie passt das Training in deinen Tagesablauf?
Früher lief ich oft frühmorgens, als die Kinder noch schliefen oder nach 20 Uhr, als die Kinder wieder schliefen 🙂 🙂
Heute laufe ich wenn ich Zeit habe und mir danach ist. Dies „geschieht“ 4-5/ Woche.
Misst du deine Läufe/Distanzen/Zeiten mit einer App oder GPS-Uhr? Und wenn ja, mit welchem Programm?
Oft schaue ich auf die Kirchenuhr wenn ich loslaufe und wieder, wenn ich zu Hause ankomme (wohne direkt daneben;). Sonst trage ich eine Casio- Uhr, mit welcher ich nur die Zeit stoppe. Ich weiss selber, wie schnell ich laufe. Dafür brauche ich keine GPS- Uhr. Ich bin sozusagen GPS- Verweigerer!
Was ist deine Lieblings-Trainingseinheit?
Ich nenne die Einheit Aussie- Fahrtspiel weil ich dieses Training in Australien kennengelernt habe. Die Belastung ist 2x 90 sec- 4x 1 min- 4-30 sec- 4x 15 sec mit jeweils gleichlanger Pause wie die zuvor gelaufene Belastung. In der Pause wird aber flott gelaufen und der Puls sinkt nur wenig. Dieses Training ist sehr abwechslungsreich und intensiv aber kurz.
In Australien absolvierten praktisch alle Läufer, vom Mittelstreckler bis zum Marathonläufer, dieses Training einmal wöchentlich!
Was hat dir das Laufen gelehrt?
Beim Laufen kommt es auf mich an. Sprich, ich bin verantwortlich dafür und habe es selber „in den Beinen“. Laufen bringt mich in die Natur, wo ich mich als einen Teil davon fühlen darf. Es bringt mich im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Boden“ indem ich mit jedem Schritt Bodenkontakt habe. Gleichzeitig bringt es mich immer einen Schritt weiter. Manchmal schneller und manchmal langsamer ans Ziel. Durch das Laufen habe ich alle Erdteile kennengelernt und jeden zu einem Teil erlaufend erlebt.
Das Laufen hat mich gelehrt, geduldiger zu werden und mich auf ein Ziel zu konzentrieren. Beharrlichkeit und Bescheidenheit sind auch Eigenschaften, welche mich die Lauferei gelehrt hat.
Welches sind deine Ziele im Laufen? Gibt es z.B. einen bestimmten Lauf, den du mal machen möchtest oder eine Zeit die du erreichen willst?
Ich werde in drei Wochen mit meiner Freundin Sabine Fischer den Amsterdam Marathon absolvieren. Des Weiteren würde ich gerne mal den New York Marathon laufen. Konkrete andere Ziele habe ich keine mehr. Meine Leistungs- und Wettkampfzeit ist Vergangenheit. Aber ich laufe super gerne und werde dieser Sportart immer eng verbunden sein. Die Ziele stellen sich jeweils spontan und je nach Idee oder „Spleen“!
Bestleistungen
  • 1500 m: 4:30,31 min, 28. Juni 2007 in Luzern
  • 3000 m: 9:16,40 min, 6. Juli 2006 in Luzern
  • 5000 m: 15:55.16 min, 9. Mai 2003 in Koblenz
  • 10.000 m: 32:37,66 min, 7. August 2006 in Göteborg
  • Marathon: 2:42:38 std, 28. Oktober 2007 in Frankfurt am Main
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