„Ich mag die Trance und den Flow, in die man nach einer gewissen Zeit verfällt.“

Pascal Egli (28) ist Umweltingenieur ETH und wohnt in Vevey. Wir haben den Spitzen-Bergläufer und Doktorand in Gletscherhydrologie zum Laufgespräch getroffen. Ihr könnt ihm auf Instagram folgen.

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Pascal, wie bist du zum Laufen gekommen?

 Bereits in der Primarschule gefielen mir 60 m Sprints, und ich spielte Fussball im Club. Doch das gefiel mir bald nicht mehr, und mit 12 Jahren bestieg ich mit meinem Vater meinen ersten 4000er. Danach begann ich, die Hügel um meine Heimatstadt St.Gallen hoch zu laufen, um für das Bergsteigen fit zu sein. Mit 16 nahm ich an einem Junioren-Berglauf (Gamperney Berglauf, Grabs) teil und gewann…

Was magst du am Laufen?

Ich mag die Trance und den Flow, in die man nach einer gewissen Zeit verfällt. Und die Möglichkeit, völlig autonom neue Orte zu entdecken. Ausserdem braucht es im Vergleich zu fast allen anderen Sportarten fast keine Ausrüstung dafür!

Wie läufst du normalerweise (Dauer, Tempo)?

Ganz verschieden je nach Lust und Befinden. Zweimal die Woche laufe ich Intervalltraining, davon eines flach und eines aufwärts. Aufwärts kann z.B. 10×3 Minuten mit 1 Minuten-Pausen sein. Ein Intervalltraining dauert ca. 1h20 inklusive Auslaufen. Manchmal laufe ich aber auch relativ gemütlich, Dauerlauf 1-2h. Am Wochenende laufe ich oft einen kleinen Wettkampf (auch z.T. als Training) oder einen längeren Lauf in den Bergen. Im Sommer laufe ich ungefähr 8-9 Mal die Woche, im Winter nur 3-4 Mal, da ich v.a. auf den Skis bin. Einen Tag pro Woche mache ich keinen Sport.

Hast du eine Lieblingsrunde?

Das kommt darauf an, wo ich gerade wohne: In St.Gallen ist es eine Runde von Bruggen auf die Hundwiler Höhi und zurück (21 km / 1100 Hm). In Vevey, wo ich jetzt wohne, ist es die steile Strecke von Montreux (400 m) auf den Rochers de Naye (2000 m) – 1600 Hm mit nur 8.5 km!

Läufst du alleine oder mit Freunden?

Früher meistens alleine, seit einem Jahr oft mit meiner Freundin. Intervalle zu zweit sind viel besser!  Manchmal laufe ich mit Freunden. Ich laufe auch immer noch gerne alleine, da ich dann meinen ganz eigenen Rhythmus laufen kann und die Ruhe geniessen kann.

 Bist du Mitglied einer Laufvereinigung/Laufgruppe?

Ich bin im Leichtathletikclub LC Brühl Mitglied, laufe da aber quasi nie, da ich nicht mehr in St.Gallen wohne. Die Mitgliedschaft brauche ich aber, um eine Swiss Athletics Lizenz zu erhalten und an internationalen Anlässen zu starten. Dafür laufe ich nun bald bei der Laufgruppe der Uni Lausanne mit.

 Hast du Vorbilder im Laufen?

Mein grösstes Vorbild ist wohl die Gemse 😉

Wie organisierst du dein Training? Wie passt das Training in deinen Tagesablauf?

Das ist nicht immer so eine organisierte Sache =) Meistens Trainiere ich, wenn ich gerade Zeit finde.

Manchmal am Morgen vor dem Frühstück so 30-40 min flach (meine Freundin hat mich das gelehrt), und dann noch am Abend eine längere Einheit von 1h15 – 1h30. Aber manchmal auch am Mittag. Im Winter laufe ich aber weniger, da ich da lieber auf den Tourenskis Höhenmeter mache (ca. 7-12’000 Hm pro Woche). Dann laufe ich nur so 3-4 Mal die Woche.

 Misst du deine Läufe/Distanzen/Zeiten mit einer App oder GPS-Uhr? Und wenn ja, mit welchem Programm?

Erst seit Kurzem. Mit einer Suunto GPS-Uhr und mit Movescount.

 Was ist deine Lieblings-Trainingseinheit?

Tempotraining auf einen Berggipfel (d.h., so schnell wie möglich auf einen Gipfel rennen). 

Was hat dir das Laufen gelehrt?

Dass der Körper zu Leistungen fähig ist, von denen man für lange Zeit geglaubt hat, dass sie für einen unerreichbar sind.

Hörst du beim Laufen Musik? Wenn ja, was hörst du?

Nein, ich will die Geräusche der Natur hören.

Welches sind deine Ziele im Laufen? Gibt es z.B. einen bestimmten Lauf, den du mal machen möchtest oder eine Zeit die du erreichen willst?

Nächsten Herbst würde ich gerne die ‚Glen Coe Skyline‘ laufen. Ein sehr technisches ‚Extreme Skyrace‘ in Schottland. Das Rennen involviert sowohl schnell laufbare Passagen (meist offtrail), als auch Kletterstellen bis zur Schwierigkeit III. Es hat eine Länge von 55 km und 4500 Hm – zu lang für mich, aber das wird von der Schönheit des Rennens kompensiert. 

Meine Ziele für die nächste Saison:

– in der Skyrunner World Series (eine Art Weltcup in steilen, technischen Bergläufen) auf den vorderen Rängen mitmischen

– an der Berlauf EM ein gutes Teamresultat erlaufen

– an der Langdistanz Berglauf WM unter die Top 10 laufen

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