„Laufen ist für mich extrem vielseitig.“

Christoph Rüthemann (29) wohnt in Zürich. Wir haben den wissenschaftlichen Projektmitarbeiter zum Laufgespräch getroffen.

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Christoph, wie bist du zum Laufen gekommen?

Sport war schon immer ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Als Kind und Jugendlicher stand bei mir das Laufen allerdings noch nicht im Vordergrund. Über 10 Jahre lang habe ich Fussball gespielt, mich nebenbei auch noch im Volleyball und Eishockey versucht. Das Lauftraining war zu dieser Zeit mehr ein „Mittel zum Zweck“, dennoch hat es mir Freude bereitet. Zum Laufsport hat mich wohl meine Militärdienstzeit geführt. Morgenfootings, Waffenläufe und Märsche bis hin zum 100km-Marsch in der Offiziersschule haben meine Faszination für den Ausdauersport geweckt. Danach nahm der Laufsport immer mehr Platz in meinem Leben ein. Mit 21 Jahren nahm ich dann nach wenigen Monaten Vorbereitung zum ersten Mal einen Marathon in Angriff. Nachdem ich die Strapazen verdaut und mich wieder erholt hatte war mir klar, dass ich weiter Marathon laufen möchte. Inzwischen habe ich 9 Marathons absolvieren und eine persönliche Bestzeit von 2:28:28h erzielen können.

Was magst du am Laufen?

Was für viele meiner Freunde, die selbst nicht laufen, weitgehend unverständlich ist – Laufen ist für mich extrem vielseitig! Bei einem lockeren Dauerlauf vergesse ich den Alltagsstress oder unterhalte mich mit Laufkollegen, bei einem Intervalltraining kann ich mich so richtig auspowern und im Wettkampf versuche ich meine Grenzen zu verschieben. Schon seit jeher bin ich einfach gerne in der Natur unterwegs und liebe die Bewegung. Laufen in seiner natürlichsten Form ist für mich einfach ein Stück Lebensqualität.

Wie läufst du normalerweise (Dauer, Tempo)?

Je nach Zeitpunkt der Laufsaison sieht mein Trainingsplan unterschiedlich aus. In den Vorbereitungsblöcken steht vor allem viel Grundlagentraining an, sprich langsame und lockere Dauerläufe, daneben bin ich auch häufiger mit dem Rennrad oder Mountainbike unterwegs. Befinde ich mich in der spezifischen Marathonvorbereitung, dann heisst es sowohl quantitativ wie auch qualitativ gut zu trainieren. In der Regel absolviere ich dann 1-2 Laufeinheiten am Tag, wodurch sich in einer durchschnittlichen Trainingswoche zwischen 120 und 160 km ansammeln. Die langsamsten Trainingseinheiten absolviere ich im regenerativen Bereich mit einer Geschwindigkeit von über 5 min/km, die Dauerläufe zwischen 4.00 – 4.30 min/km und die Intervalle in meinem 10km- bis Halbmarathon-Wettkampftempo. Als wichtigste Einheit im Marathontraining erachte ich den langen Lauf. Über eine Distanz von 30 bis 40km versuche ich den Körper an den Marathon heranzuführen, oft steigere ich die „Longruns“ wenn möglich bis zur angepeilten Marathonpace.

Hast du eine Lieblingsrunde?

Auch wenn ich die grosse Mehrheit meiner Laufkilometer im Raum Zürich absolviere, so liegen meine Lieblingsrunden im Engadin. Ich habe bis heute noch keinen schöneren Trainingsort entdeckt als die Region um St. Moritz. Die herrlichen Pfade inmitten der atemberaubenden Engadiner Bergwelt begeistern mich jedes Mal aufs Neue. Ein toller Nebeneffekt bringt die Höhenlage mit sich, welche für die Vorbereitung der anstehenden Wettkämpfe zusätzlich gewinnbringend ist.

Läufst du alleine oder mit Freunden?

Etwa einen Drittel meiner Lauftrainings mache ich mit Freunden, die restlichen Einheiten absolviere ich alleine. Am liebsten würde ich viele Lauftrainings in einer Gruppe absolvieren, denn gemeinsam läuft es sich meist einfacher und besser! Das gefällt mir deshalb auch sehr an den Trainingslagern, wo man sich gemeinsam dem Laufen zuwenden kann. Manchmal tut es aber auch gut in aller Ruhe alleine zu trainieren und nur auf seinen eigenen Körper zu hören. Langsame und lockere Einheiten mache ich deswegen gerne auch mal alleine, während ich bei intensiven Trainings sehr viel von einer Gruppe profitieren kann.

Bist du Mitglied einer Laufvereinigung/Laufgruppe?

Seit 2014 bin ich Mitglied im TV Oerlikon, früher war ich in der Laufgruppe des LC Meilen.

Hast du Vorbilder im Laufen?

Im letzten Winter habe ich zum ersten Mal ein Trainingslager in Iten (Kenia) absolviert. Ich war zutiefst davon beeindruckt, welchen Stellenwert das Laufen für die Kenianer besitzt. Ein grosses Vorbild ist für mich Wilson Kipsang, der sich seit Jahren an der Marathon-Weltspitze behaupten kann und ganz nebenbei mit seinen Erfolgen viel Gutes für die Bevölkerung in Kenia bewirkt.
Gleichzeitig bewundere ich aber auch viele der europäischen Topläufer, die trotz minimaler Unterstützung der Verbände und der beinahe völligen Abwesenheit medialer Aufmerksamkeit unglaubliche Leistung erbringen. Neben einem Trainingsaufwand, welcher denjenigen mancher Profisportler um ein Vielfaches übersteigt, gehen sie fast alle einer Berufstätigkeit nach und müssen grosse Verzichte auf sich nehmen. Mein Vereinskollege Christian Kreienbühl, der sich seinen Traum von Olympia erfüllen konnte, ist in dieser Hinsicht ganz bestimmt ein Vorbild.

Wie organisierst du dein Training? Wie passt das Training in deinen Tagesablauf?

In aller Regel absolviere mein Lauftraining am frühen Morgen, bevor ich meine Arbeit beginne. So ist es am Abend nach dem Arbeiten noch möglich eine zweite Einheit zu absolvieren. Manchmal nutze ich auch die Mittagspause für das Lauftraining. Da ich meine Arbeitszeit sehr flexibel einteilen kann und ich mit einem 80%-Pensum angestellt bin, funktioniert das soweit ganz gut. Natürlich ist ein organisierter Wochenplan sehr wichtig. Die Vereinstrainings sind Fixpunkte in der Woche und lange Läufe absolviere ich vorwiegend am Sonntagmorgen.

Misst du deine Läufe/Distanzen/Zeiten mit einer App oder GPS-Uhr? Und wenn ja, mit welchem Programm?

Ich bin mit der GARMIN Forerunner 620 unterwegs und nutze die Dienste von Garmin Connect. Je nach Lust und Laune verzichte ich aber auch gerne einmal auf die Herzfrequenzmessung, richte mich ganz nach meinem Laufgefühl und höre nur auf meinen Körper.

Was ist deine Lieblings-Trainingseinheit?

Obwohl ich die Wettkämpfe vorwiegend auf der Strasse absolviere, liebe ich das Bahntraining. 10 Tage vor dem Marathonwettkampf laufe ich jeweils 4 x 3000m im Marathonrenntempo mit 400m Trabpause. Diese Einheit ist für mich wichtiger als jeder Wert, den meine Uhr anzeigt, denn bei diesem Training spüre ich ganz genau, ob sich die Wettkampfpace richtig anfühlt.

Was hat dir das Laufen gelehrt?

Durch den Laufsport habe ich gelernt, dass sich vieles erreichen lässt, wenn man es wirklich will und sich nicht vom Weg abbringen lässt. Was man ins Training investiert kommt einem im Wettkampf (meistens) zu Gute. Ich bin überzeugt, dass ich von diesen Erfahrungen in vielen Lebensbereichen profitieren kann.

Welches sind deine Ziele im Laufen? Gibt es z.B. einen bestimmten Lauf, den du mal machen möchtest oder eine Zeit die du erreichen willst?

Nachdem ich im letzten Jahr mit den Military World Marathon Championships in Turin zum ersten Mal einen internationalen Anlass bestreiten durfte, möchte ich mich auch dieses Jahr erneut dafür qualifizieren. Die diesjährigen Militär-Marathon-Weltmeisterschaften werden am 28. Mai in Ottawa (KAN) ausgetragen. Mittelfristig möchte ich gerne noch einige der europäischen Städtemarathons absolvieren und hoffe, dass ich meine Bestzeit noch weiter verbessern kann. Aber in erster Linie bleibt mein wichtigstes Ziel, weiterhin viel Freude am täglichen Laufen zu haben.

 

 

 

Fotos:

 

 

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