„Heute sind meine Vorbilder Seniorinnen und Senioren, die im hohen Alter mit viel Freude und hohem Einsatz laufen.“

Jürg Marti (49) ist Bankfilialleiter in Hasle-Rüegsau. Wir haben den ehemaligen Mittelstreckenläufer und passionierten Pilzesammler zu einem Laufgespräch getroffen.

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Wie bist du Läufer geworden?

Eigentlich habe ich schon im Kindesalter gemerkt, dass ich gerne renne. Wir spielten viel Strassenhockey, Fussball und ab und zu steckten meine gleichaltrigen Kollegen und ich auf der Matte einen Parcours mit Hürden aus Baumästen aus und liefen die Runde immer wieder auf Zeit. Jeder mit dem Ziel den Rekord zu brechen. Damals war ich ca 10 Jahre alt.

Später lief ich immer wieder mal auf einer 1 km Runde auf Zeit. Joggen oder gezieltes trainieren war damals kein Thema. Mich faszinierte damals einfach das Rennen gegen die Zeit und der Wettkampf gegen Kollegen. Im Teenageralter fing ich an, im Verein Eishockey zu spielen. Beim Konditionstraining merkte ich immer wieder, dass ich beim Läufen der Schnellste war. Erst mit 18 Jahren wurde ich von meinem damaligen Abteilungschef, einem Mittelstreckenläufer mit einer 800m-Bestzeit von 1.53 , aufgefordert gezielt mit Laufen zu beginnen. Einen spontanen gemeinsamen Dauerlauf musste ich nach 1,5 km entkräftet aufgeben. Von diesem Moment an war mein Feuer entfacht und ich begann wie wild zu trainieren. Nach ca. 3 Monaten nahm mich besagter Chef an einen Wettkampf nach Aarau und löste für mich eine Tageslizenz, um ein 800m-Rennen zu laufen. Auch Nagelschuhe hat er mir organisiert. In der schwächsten Serie wurde ich mit einer Zeit um 2:10 gestoppt. Ich wwar sehr enttäuscht, dass ich 20 Sekunden langsamer war als der Sieger. Mein Chef und Förderer hingegen fand diese Zeit top und motivierte mich, gezielt zu traineren.

Ich wurde Mitglied beim lokalen Leichtathletikverein und machte Intervalltrainings und Dauerläufe. Nebenbei war ich auch in Mitglied in einem Unihockey-Team. Bei den Vereinsmeisterschaften (SVM) startete ich über 3000m. Meine erste Zeit war 9:45. Ein Jahr lief ich bereits 9:03. Da ich mich weiterentwickeln wollte suchte ich den Kontakt zum Stadtturnverein Bern, den ich aus den Medien kannte. Beim ersten Training mit all den starken Läufern des STBs, musste ich den Weg zurück ins Trainingszentrum in der Schönau selbst finden. Das Tempo war mir viel zu schnell. In den Trainingsgruppen von Gerhard Dieboldswyler und Roland Schütz fand ich aber ein ideales Umfeld, um mich weiterzuentwickeln. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal bei den Vereinsmeisterschaften in der Nationalliga A, resp. bei den Staffelschweizermeisterschaften über 4x1500m für das Team qualifizieren könnte. Als ich zum Stadtturnverein Bern kam, war ich ca. die Nummer 30, da so viele gute Läufer im Verein engagiert waren. Später war ich dann tatsächlich in diesen Teams dabei.

Was magst du am Laufen?

Laufen bedeutet für mich Freiheit. Ich kann meinen Bewegungsdrang voll ausleben. Das Laufen erzeugt bei mir gute Laune, bringt mich auf neue Ideen, steuert die Ernährung in eine positive Richtung. Bei Strassenläufen treffe ich viele tolle Menschen. Zudem ist es sehr einfach, diese Sportart zu betreiben. Ich nehme mir jeweils spontan vor laufen zu gehen. Und 5 Minuten später bin ich schon unterwegs. Das Laufen gibt mir auch eine tolle Basis für das Eishockey, wo ich auf kurze Erholungszeiten angewiesen bin.

Wie lange läufst du normalerweise? Und in welchem Tempo?

Momentan trainiere ich wenig, da ich mich nach einem Lauftraining in der Regel 2-3 Tage erholen muss. Jeden Samstag laufe ich mit einem Kollegen 10 Kilometer. Das Tempo ist zwischen 5:30 und 6:00 pro km. So können wir uns gut unterhalten.

Letzte Woche machte ich einen Testlauf auf dem Laufband (4 km mit 1 % Steigung) im 4 Minuten-Schnitt. Das ist momentan mein Limit. Ich stelle fest, dass ich eigentlich immer noch der Wettkampftyp bin. Pro Woche absolviere ich momentan 20-25 km in verschiedenen Tempobereichen.

Hast du eine Lieblingsrunde?

Meine Lieblingsrunde ist ein 9.6 km-Loop entlang der Emme. Start bei der längsten Holzbogenbrücke von Europa in Hasle-Rüegsau verläuft die Strecke via Burgdorf Wynigenbrücke und auf der anderen Seite zurück nach Hasle-Rüegsau. Ich liebe flache Strecken. Und entlang der Emme ist es auch im Sommer sehr angenehm, da ich jeweils im kühlen Schachenwald laufen kann.

Läufst du alleine oder mit Freunden?

Ich laufe einmal pro Woche mit einem Kollegen. Da ich ansonsten auf dem Laufband oder über den Mittag trainiere, bin ich jeweils alleine unterwegs.

Bist du Mitglied einer Laufvereinigung/Laufgruppe?

Ich spiele auch heute noch Eishockey, trotz meinen 49 Jahren – bei den Senioren des EHC Brandis. Für die Saison 2016/2017 nehme ich an 27 Eistrainings oder Matches teil. Aus diesem Grund ist es mir momentan nicht möglich, auch noch in einer Laufgruppe zu trainieren.

Hast du Vorbilder im Laufen?

Früher war ein Vorbild Sebastian Coe oder Läufer, welche schneller waren als ich. Heute sind meine Vorbilder Seniorinnen und Senioren, die im hohen Alter mit viel Freude und hohem Einsatz laufen.

Wie organisierst du dein Training? Wie passt das Training in deinen

Ich schaue immer sehr spontan. Je nachdem wie ich mich fühle entscheide ich, ob ich laufen gehen will oder nicht. Auch der Trainingsinhalt wird nach dem Lust und Laune-Prinzip gewählt.

Ich geniesse es, ohne Plan zu trainieren. Das ist möglich, weil ich keine zeitlichen Ziele habe. Früher war das undenkbar, da wurde akribisch der Trainingsplan eingehalten und die Trainings laufend analysiert und mit dem Trainer besprochen.

Misst du deine Läufe/Distanzen/Zeiten mit einer App oder GPS-Uhr?

Ich besitze eine TomTom-Uhr mit entsprechendem App, das mir Auskunft über Puls, Distanz etc. gibt. Irgendwie ist dies motivierend für mich und gibt mir interessante Anhaltspunkte über Intensität usw.

Was ist deine Lieblings-Trainingseinheit?

Am liebsten laufe ich Wiederholungsläufe. Da werden Erinnerungen an meine Zeit als Mittelstreckler wach. Ich gehe gerne ans Limit. Das Gefühl nach diesen Trainings ist unbeschreiblich. Ich fühle mich geerdet, relaxed und ich spüre jeweils eine Art gesunde Müdigkeit in mir.

Diese Läufe sind ca. 150m lang. Vom Gefühl her ist es das gleiche wie früher, aber das Tempo hat schon massiv nachgelassen. Das ist aber egal. 2x3x150 m steigernd bis ans Limit mit zurückmarschieren und einer Minute zusätzlich Pause.

Was hat dir das Laufen gelehrt?

Realistische Ziele zu setzen, Freude zu teilen, Disziplin, durchzubeissen, zu kämpfen, keine Ausreden zu haben, meine eigenen Grenzen zu kennen und akzeptieren.

Hörst du beim Laufen Musik? Und wenn ja, was?

Beim Laufen höre ich keine Musik. Ich liebe es in der Natur zu laufen. Ich will diese Eindrücke nicht mit Musik übertönen. Auch bin ich froh, wenn ich von hinten anrauschende Moutaninbiker nicht erst im letzten Augenblick bemerke.

Welches sind deine Ziele im Laufen? Gibt es z.B. einen bestimmten Lauf, den du mal machen willst?

Zeitliche Ziele habe ich nicht mehr. Ich will mich einfach toll fühlen und weiterhin zwischendurch an mein Limit gehen. Jedoch nicht verbissen, sondern einfach mit viel Freude verbunden. Ich möchte noch lange Zeit sportlich fit bleiben und ab und zu an einem 5 km Strassenlauf teilnehmen, weil ich den Wettkampf liebe.

 

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